Bei uns ging alles ungewöhnlich schnell: Zwischen dem ersten Video von Honey und ihrem Einzug lag gerade einmal eine Woche. Während andere vielleicht Wochen oder Monate Zeit haben, sich vorzubereiten, mussten wir innerhalb weniger Tage organisieren, bestellen und einkaufen.
Wie Honey zu uns kam, wie Bewerbung und Vorkontrolle abliefen und warum ich ihre Abholung am Transporter bis heute nicht vergessen habe, erzähle ich ausführlich in „Wie Honey zu uns kam: Adoption aus dem rumänischen Tierschutz“.
Dass bei so wenig Vorbereitungszeit einige Dinge dabei waren, die ich gerne vorher gewusst hätte, ist wahrscheinlich kein Wunder.
1. Ein Welpe muss nicht von Anfang an kuscheln wollen
Ich weiß nicht genau, welches Bild ich vor Honeys Einzug im Kopf hatte. Vermutlich irgendetwas zwischen „kleiner Welpe schläft auf meinem Schoß ein“ und „wir liegen gemeinsam kuschelnd auf dem Sofa“.

Honey hatte andere Vorstellungen.
Hände waren zum Reinbeißen da. Füße übrigens auch. Streicheln? Kann man machen – bietet aber gleichzeitig eine ausgezeichnete Gelegenheit, wieder in die Hand zu beißen.
Mittlerweile ist Honey 6,5 Monate alt, ihre Milchzähne verabschieden sich nach und nach und plötzlich passiert etwas völlig Neues: Dieselben Hände, in die man bisher hervorragend hineinbeißen konnte, können offenbar auch kraulen.
Und plötzlich kommt sie von selbst und möchte Nähe.
Was uns im Piranha-Modus geholfen hat
2. Du darfst vom Training überfordert sein
All die Übungen, die Dinge, die der Hund auf jeden Fall mal können sollte und all das, was er auf gar keinen Fall tun sollte, sind ganz schön überfordernd.
Was wir an einem Termin in der Hundeschule lernen und üben, klappt super. Aber wenn nach Woche 5 dann plötzlich 25 Dinge zum Üben auf der Liste stehen, die man auch ja im Alltag und in jeder Situation im Kopf haben und üben sollte, überfordert es einen. Und das ist ok. Du musst nicht alles perfekt machen.
Was uns geholfen hat, war und ist es noch immer, Prioritäten zu setzen. Schreibt euch ganz am Anfang gemeinsam auf, was euch wichtig ist, was euer Hund können sollte und wie er sein sollte – natürlich nur das, was ihr durch Übungen und Training beeinflussen könnt.
Bei uns standen zum Beispiel ganz oben auf der Liste Bindung und Gelassenheit. Danach kommen auch Ziele wie Abruf, Sitz auf Entfernung, Deckentraining und Leinenführigkeit – natürlich, wer wünscht sich das nicht? Aber ganz klar für uns war, dass Bindung und Gelassenheit die Grundpfeiler aller weiteren Erziehungsziele für uns sind.
3. Kleine Tricks stärken die Bindung
Ich wusste, dass Tricks und gemeinsames Üben verbinden. Aber, dass kleine Tricks üben von Anfang an – lasse deinen Welpen zunächst ein paar Tage ankommen – so sehr die Bindung fördert, hatte ich nicht erwartet.

Dies ist also kein „Ich hätte es gern vorher gewusst, damit ich es anders gemacht hätte“, sondern ein „so würde ich es immer wieder machen“.
Da wir aus dem Norden kommen, habe ich schon nach etwa 1–2 Wochen mit Honey das Kommando „Moin“ geübt, unser Pfötchen geben. Außerdem habe ich von Anfang an, ja schon ab Tag 2 oder 3, Übungen zum Blickkontakt gemacht.
Ich habe deutlich vor den Augen meines Welpen ein Leckerchen in die Hand genommen. In dem Moment, in dem der Blick meines Hundes vom Leckerchen in meiner Hand zu mir und meinen Augen ging, habe ich direkt verbal belohnt und das Leckerchen gegeben.
Das kann man dann immer weiter ausbauen: Blickkontakt verlängern, bis das Leckerchen gegeben wird. Das Leckerchen mal von einem weg bewegen und mit ausgestrecktem Arm seitlich weghalten. Wandert der Blick wieder vom Leckerchen weg hin zu deinem Blick: belohnen!
Oder zwei Leckerchen, eins in jede Hand nehmen, und die Hände auseinander bewegen. Dein Hund wird mit seinem Blick eines der Leckerchen verfolgen. Das bekommt er wieder dann, wenn er Blickkontakt mit dir sucht.
Das ist auch beim Gassi gehen für uns wichtig. Einen Blick beim Spazierengehen zu mir belohne ich immer. Oder zumindest fast immer, mindestens aber immer verbal.
4. Nicht alle reagieren positiv
Ich hätte gerne vorher gewusst – oder vielleicht auch lieber nicht –, wie viele Menschen in meinem Umfeld eher weniger positiv überrascht waren. Stattdessen kommen Fragen und Aussagen wie: „Wollt ihr kein menschliches Baby?“, „Habt ihr überhaupt Zeit für einen Hund?“ oder „Ein Hund bedeutet aber eine Menge Verantwortung!“.
Da frage ich mich, ob die Menschen meinen, dass wir uns darüber keine Gedanken gemacht haben. Und mal im Ernst: Ein Hund ist zu viel Verantwortung und beansprucht eine Menge Zeit, deswegen lieber ein menschliches Baby?! Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen.
Ich verstehe, dass die meisten Menschen in unserem Umfeld völlig überrascht waren. Wir waren für sie immer die absoluten Katzenmenschen. Das sind wir auch immer noch, aber eben auch Hundemenschen.
Wir haben unseren Wunsch nach einem Hund halt immer eher für uns besprochen, da es eigentlich immer noch weit weg war. Auf meinem Visionboard für 2026 war ein Hund auch nicht abgebildet, aber manchmal kommen die schönsten Dinge einfach ganz plötzlich in dein Leben.
5. Alleinbleiben-Training ist auch für Menschen hart
Alleinbleiben-Training ist härter für mich als für mein vierbeiniges Baby. Die meiste Zeit sind wir durch unseren Alltag und Homeoffice einfach zuhause.

Wir verlassen das Haus meist nur zu zweit, wenn längere Ausflüge anstehen. Also wie üben wir nun am besten das Alleinbleiben? Der nächste Supermarkt ist mindestens 10 Minuten mit dem Auto entfernt. Auch wenn wir unterwegs sind und dann über die Kamera sehen, dass die Stimmung daheim kippt, müssen wir ja erst einmal ganz wieder zurück. Mein Hunde-Mama-Herz blutet einfach bei dem Gedanken.
Was uns geholfen hat im Training, liest du dann, wenn wir das Alleinbleiben erfolgreich geübt haben. Da sind wir wieder bei Punkt 2 dieser Liste:

